1872 kaufte der Seifenfabrikant Ludwig Küntzelmann das Gut und teilte
die Gutsfelder in Parzellen auf. Er richtete später ein Gesuch an das Innen-
ministerium, dass der Weisse Hirsch sich künftig als klimatischer Kurort
bezeichnen dürfe. 1875 wurde der Weisse Hirsch „klimatischer Kurort“.
Bis 1914 stieg die Zahl der Kurgäste jährlich. Nach Kriegsausbruch untersagte
der Gemeinderat den „feindlichen“ Ausländern den Besuch der Kuranlagen und
Einrichtungen. Im November erfolgte die amtliche Ausweisung der ausländischen
Gäste. Damit büsste der einst weltoffene Weisse Hirsch eine wichtige Gäste-
gruppe für lange Zeit und zum Teil für immer ein. In Lahmanns Sanatorium wurde
1914 ein Lazarett eingerichtet und erst 1919 wieder aufgelöst.
Viele weiter Sanatorien entstanden, eine eigene Infrastruktur, zahlreiche Ge-
schäfte und Cafés. Der Weisse Hirsch war kein reiner Gästeort mehr sondern
entwickelte sich zur gehobenen Wohngegend.
Seit 1899 war der Ort an das Dresdner Straßenbahnnetz angebunden.
Ein Komfort, den Einwohner und Gäste zu schätzen wussten. Man weilte
in der Natur, brauchte aber die kulturelle Vielfalt der nahen Stadt Dresden
nicht zu missen.
Die weitere Entwicklung des Ortes bestimmte das 1888 von dem Arzt
Heinrich Lahmann gegründete Sanatorium. In Diagnose und Therapie
verband er das Wissen der klassischen Schulmedizin mit Elementen
der Naturheilkunde. Entgegen dem Trend der damaligen Zeit legte er vor
allem Wert auf den ganzheitlichen Ansatz der Behandlung, d.h. er ana-
lysierte das soziale Umfeld, die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten und
richtete seine Behandlung danach aus. Viel Bewegung, ausreichend Luft,
eine richtige Ernährung, Spass und ein gesundes Mass an Unterhaltung –
dieses Wohlfühl-Konzept zog in den Jahren des Bestehens tausende Gäste
aus aller Welt in das Sanatorium.